Papa,
mittlerweile sind über drei Monate vergangen – genau genommen drei Monate und fünf Tage, vielleicht auch ein paar mehr. Ehrlich gesagt habe ich gerade nicht die Kraft, das ganz genau nachzuvollziehen.
Was ich sagen kann, ist: Manchmal fällt es mir gar nicht richtig auf, dass du nicht mehr da bist. Und irgendwie doch. Es ist dieser kleine dunkle Gedanke, der immer ganz hinten in meinem Kopf sitzt. Er lässt mich nicht vergessen, dass du weg bist. Ich ertappe mich oft dabei, zu glauben, du sitzt immer noch zuhause am PC und spielst dein albernes Spiel – so wie immer. Und dann schaue ich ins Büro. Und da sitzt niemand. Der Stuhl ist leer.
Ich fühle diesen Schmerz permanent. Aber manchmal ist er leise. Dann wieder laut. Er kommt besonders bei den kleinen Dingen. Bei Sachen, die früher selbstverständlich waren. Dinge, die du einfach gemacht hast – weil du es warst.
Heute kämpfe ich mit der verdammten Spülmaschine. Und mein erster Gedanke bist du. Du warst immer der, den ich bei sowas angerufen habe. Du hattest immer eine Idee, eine Lösung. Mein Problemlöser. Ich höre deine Stimme fast noch, wie du einen dummen Spruch bringst, bevor du mir ganz ruhig erklärst, was ich tun soll. Und dann sitze ich da – mit meinem Problem – und weiß: Ich kann dich nicht mehr anrufen. Und in diesem Moment wird der Schmerz wieder lauter. Er wird so groß, dass ich manchmal gar nicht weiß, wohin mit mir.
Du hast immer einen Weg gefunden, mich aufzufangen. Ohne großes Drama. Einfach du. Und ich habe es als selbstverständlich gesehen, dass du das tust. Dass du diese Person für mich bist. Jetzt bist du weg – und ich begreife mehr und mehr, was du wirklich für mich warst.
Ich vermisse dich so sehr, Papa. Und das Verrückte ist: Der Schmerz fällt manchmal gar nicht mehr auf. Er ist so konstant geworden, dass es fast erschreckend ist. Als hätte ich mich daran gewöhnt, damit zu leben. Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich vor deinem Tod war. Nicht weil ich mich plötzlich verändert hätte – sondern weil ich mich anders wahrnehme. Ich fühle anders. Dinge begleiten mich jetzt, die vorher nicht da waren. Wie Gewichte auf meinen Schultern. Ich habe einfach gelernt, sie zu tragen, ohne groß darüber nachzudenken.
Aber dann gibt es diese kleinen Momente, die alles wieder aufreißen. Die Momente, in denen ich mehr fühlen will. In denen ich versuche zu weinen, mir auf die Brust schlage, mich selbst anschreie – weil ich dieses Gewicht loswerden will. Weil ich es greifen will. Und weil ich es dir zurückgeben will. Weil es dein Platz ist. Weil du fehlst.
Du warst mein Begleiter. Mein Zuhause. Mein Ruhepol. Und jetzt bist du nicht mehr da. Aber dieses Gewicht ist geblieben.
Ich vermisse dich so unglaublich, Papa.